Bieler Kulturpreis 1999

Er hat das 65. Altersjahr begonnen, der Bieler Künstler Heinz Peter Kohler, welcher morgen mit dem Kulturpreis der Stadt Biel geehrt wird, doch seine neusten Werke in der Weihnachtsausstellung und vor allem in der grossen Porträtinszenierung im neu eröffneten Centre Pasqu'Art zeigen, dass er nichts eingebüsst hat an innovativer Kreativität.

Obwohl er in verschiedensten Techniken zu Hause ist und Herausragendes geleistet hat, wird Heinz Peter Kohler immer wieder als ein Meister des Aquarells bezeichnet. Es ist denn auch diese von ihm mit besonderer Intensität gepflegte Sparte der bildenden Kunst, in welcher er am direktesten, am persönlichsten zu erkennen ist: ein verletzlicher Visionär, zeichnend und malend unterwegs in einer Welt, wo die Kunst mehr denn je die Aufgabe hat, die Menschen zur Besinnung, zum Erkennen und damit zu sich selbst zu führen.

In seinen Werken unterschiedlichster Grösse, vom kleinformatigen Blatt bis zum Wandbild, und in den tagebuchartig anmutenden Skizzenbüchern, welche gleichzeitig auch Reisejournale sind, bringt er Erschautes und Erträumtes, Komponiertes und Zugefallenes zum Ausdruck. Es sind sensible Registrierungen, in denen oft keine Grenzen zu ziehen ist zwischen Gegenständlichem und Abstraktem, führen doch Heinz Peter Kohlers Wege vor allem auch nach innen, in die verborgenen Räume menschlichen Seins und Empfindens. Der am 11. November 1935 in Biel geborene Künstler, der sich an der Kunstakademie von München und bei Max von Mühlenen ausbildete, muss sich und die Welt erfahren auf langen Reisen durch Italien und Nordafrika, durch die Kunstgeschichte und schliesslich zu den Mitmenschen, die er zum Sehen lernen, zur eigenen Kreativität und damit zum gegenseitigen Verstehen führen möchte. Heinz Peter Kohler ist denn auch ein Vermittelnder, der in der Kultur eine Hoffnung für ein schöpferisches und friedliches Zusammenleben der Individuen sieht. Doch erfährt gerade er auch immer wieder die Einsamkeit des Schaffenden. Mit der Verleihung des Kultur-Preises der Stadt Biel wird ein Künstler ausgezeichnet, der diese Ehrung hoch verdient, weil er uns die Zerbrechlichkeit des Daseins erleben lässt und es in trotzigem Dennoch in seinem Werk zum Ganzen fügt.

Ein Artikel aus dem Bund, 29/1/00